"Strom-Musik" – die ersten drei Veranstaltungen einer Konzertreihe der IGNM
1) improvisation – nicht notierbare Musik mit Elektronik
von und mit JSX (Jorge Sanchez-Chiong, Venezuela), turntables, Kazuhisa Uchihashi (Japan), E-Gitarre, Angelica Castello (Mexico), Blockflöte(n), Veronika Simor (Ungarn), Elektronik, Hui Ye (China), Elektronik, Johannes Kretz(Österreich), Elektronik
Sonntag, 4. Oktober 2009, Alte Schmiede Wien, 19h, Literarisches Quartier
2) artificial intelligence – Elektronik "denkt"
mit Werken von Karlheinz Essl, Oliver Weber, Wolfgang Suppan, Peter Jakober
Kurator: Johannes Kretz
Sonntag, 11. Oktober 2009, Alte Schmiede Wien, 19h, Literarisches Quartier
3) spatialisation – Elektronik als Raumprojektion
mit Werken von Klaus Hollinetz, Daniel Mayer, Gabriele Proy, Guenther Rabl, Elisabeth Schimana
Kuratorin: Katharina Klement
Sonntag, 25.Oktober 2009, Ruprechtskirche Wien, 20h pünktlich
Dank: ske-fonds, Wien Kultur, bm:ukk
________________
Über die Reihe "Strom–Musik" der IGNM
(Konzept: Johannes Kretz)
Jede Zeit erschloss dem Ausdrucksbedürfnis neue Klangmittel, ergänzte das Instrumentarium der Musikproduktion mit zusätzlichen Erfindungen. Dennoch stellt die Erschließung der Elektronik für die Musik weit mehr dar als nur eine Ergänzung der Vokal- und Instrumental-Musik. Aus verschiedenen Gründen bringt die Integration von Elektronik in das Komponieren und Realisieren von Musik radikale Paradigmenwechsel mit sich. Die Fixierung und Tradierung von Kompositionen beispielsweise erfolgt nicht mehr ausschließlich über Notenschrift und Papier, sondern auf Tonträgern, in Parameter-Datenensätzen für Computerprogramme usw. Man denke nur daran, wie rührend Karlheinz Stockhausen den Herstellungsprozess seiner frühen elektronischen Werke wie "Studie II" oder "Kontakte" akribisch auf Papier dokumentiert hat, nur um sicher zu stellen, dass der WERK-Charakter seiner elektronischen Schöpfungen nicht in Frage gestellt werden kann!
Weiters: die Projektion von Klängen über Lautsprecher stellt ein neues Medium – eine neue Leinwand für die Musik – dar, ähnlich wie zum Theater das Kino hinzukam. Es kommt also nicht mehr nur darauf an, was zu hören ist, sondern auch: wie es projiziert wird. Und auch: wie bei der Mischung von elektronischer Musik und Instrumentalmusik die Beziehung zwischen diesen Klangebenen sinnvoll gestaltet ist.
Letztlich ist der Computer weit mehr als nur ein Werkzeug zur Bearbeitung und Realisierung von Klängen, sondern beispielsweise auch ein Denkwerkzeug, das bei der Konzeption – selbst von reiner Instrumentalmusik – mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit wird.
Die Konzertreihe "Strom-Musik" der IGNM soll innerhalb von ca. 2-3 Jahren eine Bestandsaufnahme der Elektronischen bzw. Elektroakustischen Musik in Österreich geben. Die unterschiedlichen Sparten und Einsatzbereiche der neuen technologischen Möglichkeiten werden dabei ebenso wie die unterschiedlichen Philosophien und ästhetischen Zugangsweisen herausgearbeitet. Elektronik (als musikalisches Ausdrucksmittel, als Instrument, als Raumwerkzeug, als Konstruktionshilfe und als musikalische Denkweise) ist immer noch viel zu wenig Selbstverständlichkeit im Konzertbetrieb ebenso wie im Musikverlagswesen, die beide nach wie vor sehr am "Komponieren auf Papier" orientiert sind.
"Strom-Musik" ist deshalb mehr als eine Konzertreihe. Es ist eine Initiative, den Paradigmenwechsel im Bereich der Komposition erfahrbar zu machen, aber auf die Notwendigkeit entsprechender Infrastruktur für diese Kunstform aufmerksam zu machen.
Die Veranstaltungen werden von einem Kuratorenteam programmiert, dem u.a. ExpertInnen wie Katharina Klement, Johannes Kretz, Hannes Raffaseder, German Toro-Perez, Angelica Castello angehören. Die Konzeption der gesamten Reihe ist von Johannes Kretz.