ÜBER UNS83 Jahre »Internationale

84 Jahre - »Internationale Gesellschaft für neue Musik«

Aus einer Wiener Subkultur heraus entstand die ISCM ‚International Society for Contemporary Music’, mit ihren zahlreichen Ländersektionen in alle Kontinenten ist sie heute die bedeutendste musikkulturelle Gesellschaft der Welt.

 Vor 84 Jahren wurden Wiener Komponisten aus dem Schönberg-Kreis samt ihren Werken als reine »Subkultur« bezeichnet, ihre Konzerte wurden von den ‚Traditionalisten’ derart behindert, dass sie gezwungen waren, sich in privaten Cercles zusammenzuschließen.

Max Reinhardt hingegen bot 1922 den jungen Komponisten ein zeitgenössisches, internationales »Kammermusik-Festival« während der Salzburger Festspiele an und öffnete ihnen einen neuen Weg: Acht Konzerte mit 50 neuen Werken von 46 Teilnehmern aus 15 Ländern waren derart erfolgreich und ermutigend, dass viele der anwesenden Komponisten spontan die Gründung einer internationalen Vereinigung verlangten. Sie folgten einer Initiative zahlreicher bedeutender Schriftsteller, die ein Jahr zuvor den »Internationalen PEN-Club« gegründet hatten.

Am 11. August 1922 gründeten im Salzburger Café Bazar 24 anwesende Komponisten, unter ihnen Webern, Bartok, Hindemith, Honegger, Kodaly, Milhaud, Wellesz – mit ihnen telegraphisch auch Berg, Ravel, Respighi, Schönberg, Strawinsky, damals größtenteils ‚Avantgarde’, heute alle weltberühmt - eine »Internationale Gesellschaft für Neue Musik«. Richard Strauss übernahm das Präsidium des Gründungskomitees.

Die Statuten bestimmten die Förderung zeitgenössischer Musik, ohne Rücksicht auf ästhetische Anschauungen, Nationalität, Rasse, Religion, politische Einstellung – sie gelten auch heute in allen Mitgliedsländern.

Ausgegangen von einer Wiener Subkultur, verbreitete sich die Idee innerhalb weniger Jahre weltweit. Musikfreunde, Künstler aller Arten, Wissenschafter, Philosophen schlossen sich an. 1923 wurde in London ein Dachverband gegründet, es entstand die erste internationale musikkulturelle Gesellschaft der Welt. Die Wiener und Salzburger Initiativen beeinflussten den weiteren Verlauf der Musikgeschichte.

IGNM in Österreich:  1938 Auflösung - 1945 Neubeginn
Nach informeller Gründung 1922 in Salzburg, nach offizieller Installierung als ‚Verein’ 1926, Veranstaltung hunderter Konzerte und dreier IGNM- Weltmusikfeste (1923 und 1924 Salzburg, 1932 Wien) wurde die IGNM im März 1938, mitten in ihrer ersten ‚großen Zeit’, von den Nationalsozialisten wegen ihrer ‚suspekten Internationalität’ zwangsweise aufgelöst. Engagierte Mitglieder wie Josef Polnauer, Erwin Ratz, Alfred Schlee und Friedrich Wildgans verbargen, damals bei eigener Lebensgefahr, von der angeordneten Verbrennung bedrohte Original- Partituren und Schriften ‚entarteter’ und jüdischer Komponisten in den Depots der Universal-Edition und im Gebälk einer Wiener Bäckerei, erretteten sie der Nachkriegswelt.
20. April 1945: Acht Tage nach Ende der Kampfhandlungen in Wien, noch vor Kriegsende, nahmen dieselben engagierten Mitglieder die Tätigkeit der IGNM wieder auf. Schon Mitte Mai gab es im von Granaten beschädigten, fensterlosen Wiener Konzerthaus die erste Veranstaltung.

Die österreichische IGNM:
Mit ihrer von Jahr zu Jahr ansteigenden Zahl von Veranstaltungen – 2005 bereits 120 –  mit Programmierungen von Schönberg bis zur neuesten Elektronik, nimmt sie nicht nur hierzulande die führende Position ein:
IGNM- Landessektionen:   Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol

Ziele:  Musik-Förderung, Musik- Export, CDs und Tonbänder
Im Vordergrund der IGNM-Tätigkeiten stehen hauptsächlich Förderungen der neuen Werke heimischer Komponisten und Komponistinnen und deren weltweite Verbreitungen. Ein großer Teil der Konzerte wird vom ORF mitgeschnitten und gesendet, die restlichen sorgfältig aufgezeichnet. Die professionell hergestellten Tonträger und CDs werden laufend an ausländische Rundfunkstationen, Musikverlage und Konzert-Veranstalter versendet – Kenntnis und Akzeptanz heimischer Werke steigen von Jahr zu Jahr, die Tantiemen-Rückflüsse gehen via der hiesigen AKM den Komponisten zu.

Zahlreiche ambitionierte, initiative, aktive Mitglieder:   
1946 verhalfen hochrangige österreichische Diplomaten, damals auch Vorstands-Mitglieder der Wiener IGNM, dem internationalen IGNM- Dachverband ISCM zur Aufnahme in die UNESCO.  Sie vertraten die Idee, die Institution, unser Land. 1949 wurde die ISCM zur Mitbegründerin einer weiteren UNESCO-Organisation: »Conseil International de la Musique«. 1960 installierten einige IGNM- Mitglieder in Wien eine lokale Sektion, den »ÖMR- Österreichischer Musikrat«. 1961 initiierten IGNM-Mitglieder ein »Internationales Musikzentrum«. Dieses »IMZ« entwickelte sich unter Ägide der UNESCO alsbald  zur internationalen Schnittstelle für neue Musik-Theater- und Tanz- Events im Audio- und Videobereich. 1971 reformierte  Prof. Dr. Franz Eckert, österreichischer Rechtsanwalt, die internationalen Statuten der ISCM. Dr. Eckert ist bis heute ISCM- Vorstandsmitglied, Ehrenmitglied der ISCM und der hiesigen IGNM.

Neue Ensembles, Institutionen, Festivals   
Viele der Mitglieder wirkten bei den Gründungen spezialisierter Ensembles für Aufführungen neuer Musik mit, z.B. bei den von den Wiener Jeunesses Musicales  initiierten  Gruppen  »ensemble die reihe«,  »Kontrapunkte«  und »Wiener Solisten«, aus denen später das »Alban Berg-Quartett« hervorging. Sie gründeten u.a. »Arnold Schönberg-Chor«, »ÖENM«,  »neues ensemble Linz«, »K&K-Experimentalstudio«, VOX NOVA«,  »Ensemble Kreativ«, »Ensemble des XX. Jahrhunderts«, »Klangforum Wien«, »ticom«, »Janus-Ensemble«, »Ensemble Wiener Collage«, »NewTonEnsemble«, »Nouvelle Cuisine«, »Music On Line«, »Gegenklang«, »Ensemble Musikfabrik Süd«, »Low Frequency Orchestra«, »ensemble reconsil vienna«.
Andere Mitglieder initiierten Institutionen, Festivals und Events, wie z.B. <Musikfeste im Wiener Konzerthaus>, <Forum Stadtpark Graz>, <Tiroler Kulturtage>, <Musikforum Ossiach>, die schon legendär gewordene alljährliche <IGNM - Lange Nacht der Neuen Klänge>, die ORF-Sendereihen <studio neuer musik> und <Zeit-Ton>, <Hörgänge>, <steirischer herbst>, <ORF-Musikprotokoll Graz>, <Aspekte Salzburg>, <Wien Modern>, <AKZENTE>, <Galerie St.Barbara>, <Begegnungen>, <GEM>, <Klangspectrum Villach>, <Alte Schmiede Wien>, <EXPAN>, <Kärntner Meisterkurse für aktuelle Musik>, <Klangprojektionen>, <Komponistenforum Mittersill>, <Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik>, das <MICA>, <Klangnetze>, <Festival zeitgenössischer Musik Bozen>, die alljährliche <Nacht der Salzburger Komponisten>, <IGNM-ElektronikProtokoll>, <musica incognita>, <IGNM-ExperimentalStudio>, die dreitägigen <IGNM- MUSIKFESTE SALZBURG>, die IGNM / ORF- CD-Reihe »unerhört«.

Die alljährlichen ISCM- Weltmusikfeste:
Wegen ihrer internationalen Vorrangstellung wurde unter den 57 Mitgliedsländern bisher nur die IGNM- Österreich mit der Veranstaltung von gleich sieben der bislang 80 ISCM- Weltmusikfeste beauftragt:
1923, 1924 und 1952  Salzburg
1932 und 1961  Wien
1972 und 1982  Graz

IGNM und die östlichen Nachbarländer
Umfangreiche Verbindungen, regelmäßige Gastspiele gab es bis 1938, spärliche 1946-1948, danach nur mehr ‚politisch Genehmigte’, nur mehr zumeist per Schlafwagen-Schaffner geschmuggelte Noten, Partituren, Tonbänder, Kassetten. 1989, noch vor der ‚Öffnung’, initiierte Wilhelm Zobl neue Verbindungen, realisierte später Lothar Knessl ‚IGNM-‚KontaktKonzerte – Musik der Nachbarn’ mit ‚im Westen’ und hierzulande noch unbekannten Werken. Seither boomen Kontakte, Gastspiele, Musik-Export. Auf Drängen der österreichischen IGNM wurden die Weltmusikfeste 2003 in Slowenien und 2005 in Kroatien abgehalten.

Größere IGNM- Symposien
1988: »Ideen, Ideologien und Wirklichkeiten«: Gertraud Cerha, György Ligeti, Katarina Noever leiteten ein umfangreiches und weithin beachtetes Symposion, zu dem sich Künstler aller Sparten zusammenfanden.
1991: »Schönberg und seine Zeit«: Museum des XX.Jahrhunderts:
Zur Schönberg-Ausstellung in Memoriam des 40. Todesjahres initiierte Wilhelm Zobl ein mehrtägiges, prominent besetztes Konzert- Symposion.
1996: Österreich-Millennium: »Offene Regionen – Weltmusik zu Gast in Wien«, organisiert von Gertraud Cerha, Lothar Knessl, Maria Skodak, Vera Blaha und Edek Bartz: Vorträge internationaler Komponisten, Musikwissenschafter, Philosophen, Architekten, ergänzt mit zahlreichen multikulturellen Konzerten und Veranstaltungen.
2004: »Roman Haubenstock-Ramati und die heutige Bedeutung der graphisch notierten Musik«, angeregt von Wolfgang Liebhart, mit drei Anschlusskonzerten der »Academia de Musica Contemporanea« (Madrid) in Wien und Graz.
Ab 1991 – 2005, Kärnten: Biennale Symposien, Seminare, Events und Festivals »AKZENTE« und »EXPAN - Workshops« zu jeweils aktuellen Themen, veranstaltet von Bruno Strobl in Klagenfurt, Villach und Spittal.

Verwaltung und Gestion der IGNM
Verwaltungs- und Büroarbeiten in Wien und in den Bundesländern werden nahezu zur Gänze von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern und Vorstandsmitgliedern durchgeführt, lediglich in Wien überwacht und kontrolliert die nur stundenweise honorierte Vereinskassierin die finanziellen Abwicklungen. Die zentrale Finanzverwaltung ist an eine Wirtschafts-Treuhandkanzlei ausgelagert. Nahezu alle seit 84 Jahren verwendeten Büroräume wurden dankenswerterweise von befreundeten Institutionen oder Vorstands-Mitgliedern frei zur Verfügung gestellt – von Seiten der AKM das heutige IGNM- Haupt-Büro im ‚Haus der Komponisten’ in der Wiener Ungargasse Nr.11. Deshalb können die jährlichen Verwaltungs- und Betriebskosten auf nur rund 8% der jeweiligen Gesamtbudgets eingegrenzt, Subventionen und Zuschüsse zum allergrößten Teil Uraufführungen, Veranstaltungen, Konzerten, Musikern und dem Musik Export gewidmet werden.

Präsidenten
Hans E. Apostel, David J. Bach, Alban Berg, Julius Bittner, Emil Breisach, Francis Burt, Peter Burwik, Gertraud Cerha, Friedrich Cerha, Herbert Häfner, Thomas Heinisch , Stefan D. Hummel, Dieter Kaufmann, Peter Keuschnig, Lothar Knessl, Hans Landesmann, Wolfgang Liebhart, György Ligeti, Peter Oswald, Josef Polnauer, Erwin Ratz, Egon Seefehlner, Otto Sertl, Maria Skodak, Richard Strauss, Peter Vujica, Anton von Webern, Friedrich Wildgans, Wilhelm Zobl